Bericht vom Freeheel-Fest in Livigno

Endlich ist es geschafft. Der Bericht von Livigno ist getippt. Hab mir diesmal etwas besonderes einfallen lassen. Mehr dazu später. Zuerst gibts was zu lesen und ein paar Bildchen zum angucken weiter unten und hier als Galerie.

Es ist Ehrensache für einen Telemarker einmal im Leben an der La Skieda in Livigno dabei zu sein. Manchmal vielleicht etwas schwierig wegen der Sprachbarriere. Aber ein Telemark-Festival das man nicht verpassen sollte. In diesem Jahr habe ich es endlich geschafft und verbrachte acht unvergessliche Tage am Freeheel-Fest 2007.

Samstag
Die Anreise über den Vereina-Autoverlad verlief sehr gemütlich. Nur die Kosten von CHF 50.– für ein Wohnmobil halte ich doch für ziemlich überrissen. Beim Goppenstein im Wallis hatte ich damals nur CHF 20.– bezahlen müssen. Wahrscheinlich muss der Vereina eben noch amortisiert werden. Vor dem Tunnel – nochmals EUR 12.– – nach Livigno musste ich mich noch etwas gedulden, denn die Autos stauten sich davor. Gegen 16:00 Uhr traf ich dann auf dem Campingplatz Aqua Fresca ein. Eigentlich sollte hier schon ein Freund mit seinem Bus sein. War er aber nicht. Irgendwie gefiel es mir hier auch nicht, denn der Platz war ein ganzes Stück ausserhalb des Dorfes. So fuhr ich kurzerhand zurück zum Plaza Placheda, dem Festival-Office und da stand dann auch schon der Bus von Chris. Der Platz war ideal. Nahe zum Zentrum, direkt an der Skipiste und noch dazu Eben wie ein Billardtisch.
Zusammen gingen wir noch zum Welcome-Apero und schlugen uns den Bauch mit leckerem Parmigiano voll und schauten uns die Stände der Aussteller an.

Aussteller

Aussteller 2

Parmigiano

kritische Blicke

Sonntag
In der vergangen Nacht wurden die Uhren um eine Stunde nach vorne gestellt; Sommerzeit bedingt. Der Wecker von Chris hat das leider nicht mitbekommen. Aber wer gut organisiert ist, braucht nicht lange um seine Sachen zu packen. 🙂
Heute stand die erste geführte Skitour auf dem Programm. Das ist das schöne an diesen Festivals. Für einen geringen Betrag hast du jeden Tag die Möglichkeit auf eine professionell geführte Skitour zu gehen.
Klar das wir diese Chancen nutzten. So standen wir um 9:00 Uhr an der Talstation der Carosello 3000 Seilbahn. Zuerst aber gings mal nach oben zum Kaffee. In Italien nimmt man es eben ein bisschen gemütlicher; selbst auf Skitouren. Es war dann auch eine ziemlich gemütliche Tour. Nicht unbedingt vom Tempo her, denn das war sehr hoch. Aber die Anstiege waren dafür kurz und die Abfahrt schön lang. Mit dem Bus gings zurück ins Skigebiet und auf die Piste.

2

Gegen 15:00 Uhr fuhren wir dann zur Party beim Tea de Borch. Dort gabs Pasta for free und Live-Music. Echt gemütlich mit vielen bekannten Gesichtern von anderen Festivals. Auch meine Freunde vom Telemark-Toggenburg habe ich da getroffen.
Am Abend gabs nach einer erfolglosen Suche nach einem bestimmten Pub, die Pizza halt in einem anderen. Immerhin hatten die Guinnes. Müde von der Tour und dem ganzen Tag gings früh ins Bett.

Montag
Es war der letzte Tag von Chris. An dieser Stelle: eine Schweigeminute für alle die arbeitshalber nicht nach Livigno fahren konnten……..
Auf der Tour am Vortag haben wir Andreas kennen gelernt. Mit ihm und seinen Freunden vom Telemark-Oberharz entschieden wir uns für’s Off-Piste fahren am Mottolino und gegen die geführte Tour.
Mit der Mottolino-Bahn und einem unendlich langen, langsamen Sessellift auf den Monte della Neve. Unterhalb diesem querten wir in die Hänge hinein und zogen erstmal unsere Spuren im mehr oder weniger frischen Powder. Steine hatte es aber auch immer mal wieder. Trotzdem genossen wir ein paar Runs ehe wir Chris nicht mehr von seinem Vorhaben abhalten konnten. Er hatte am Vortag ein Couloir gesehen, das er vor seiner Heimreise unbedingt noch fahren wollte. Wir querten also noch weiter nach links und entdeckten ein paar wunderschöne Hänge. Bei der Waldgrenze entschieden wir uns dann leider für den falschen Weg. Das Couloir welches wir suchten, konnten wir von unserem Standpunkt gar nicht erreichen. So mussten wir uns den schmalen Bach hinunter kämpfen mit den Skis zwischenzeitlich auf dem Rucksack. Ein unvergessliches Abenteuer, was so richtig hungrig auf BBQ machte.

Mit dem Bus zurück zur Mottolino-Talstation und dort konnten wir ja nicht einfach so am Tea del Vidal vorbei. Noch eine Stärkung zu uns nehmend, stiess Ian „The Master of different flavor of snuff“ aus Wales dazu. Alle zusammen machten wir uns auf zur Trepallina-Party. Wieder ein feuchtfröhlicher Anlass mit Live-Music, BBQ und jede Menge guter Stimmung. Es wird gemunkelt, dass einige noch lange oben auf dem Passo d’Eira den Sonnenuntergang bestaunt haben. Oder haben sie doch was anderes gemacht? 🙂

Dienstag
Um 9:00 Uhr Andreas an der Talstation der Carosello-Bahn getroffen. Wir haben uns vorgenommen noch einmal eine geführte Tour mit zu gehen. Zum Glück war mir das Ziel nicht von Anfang an genau bekannt. Ich wäre wahrscheinlich nicht hoch gekommen. Wieder mit einem für mich viel zu hohen Tempo gestartet und die erste Pause erst nach knapp zwei Stunden. So etwas bin ich mir nicht gewohnt und war daher auch schon ziemlich ausgepowert, als wir endlich nach 3h und 1200hm oben auf dem Gipfel des Monte Cotschen auf 3103m.ü.M waren. Zum Glück konnte ich mich schnell erholen und war bereit für die bevorstehende Abfahrt. Gleich zu Beginn wurde es ziemlich steil aber der Powder der da lag, war ein Traum. Es gab Platz für alle und wir genossen die Abfahrt. Weiter unten wurde der Schnee dann aber schwer und nass, was ein genussvolles Fahren nur schwer möglich machte. Nach einem kurzen Gegenanstieg waren wir wieder zurück im Skigebiet beim Sessellift.
Nach einer Lasagne im Bergrestaurant entschloss ich mich früher ins Tal zu gehen, denn ich war so geschafft von der Tour. Das kam aber gerade gut, wollte ich doch sowieso Zwecks Strom und Wasser für zwei Nächte auf einen Campingplatz. Vorher mussten aber noch zwei Schrauben bei meiner Bindung angezogen werden. Das erledigte ein Sportgeschäft gleich in der Nähe.
Der Campingplatz war schnell gefunden, war ja am Samstag schon mal da. Den Strom angeschlossen, Handy und Digicam in der Ladestation, göhnte ich mir eine heisse Dusche. Lange Zeit hatte ich nicht, gings doch schon um 19:00 Uhr weiter. Heute stand nämlich das Mountain-Dinner auf dem Programm. Mit der Seilbahn schwebten wir hoch zum Bergrestaurant Carosello. Dort wurden wir mit einem Apero, einem vorzüglichen Nachtessen und Live-Music bis spät in die Nacht verwöhnt.

Mittwoch
Das erste mal ein wenig ausgeschlafen. Um 10:00 Uhr mit Niklaas und Susanna aus Finnland hoch zum Carosello gefahren. Von Niklaas und seinem nordischen Fahrstil konnte ich viel profitieren. Jetzt krieg ich endlich genügend Kantendruck auf vereister Piste hin. Genau das ist das schöne an diesen Telemark-Festivals, niemand ist sich zu schade, etwas zu zeigen. Im Gegenteil. Erfahrungen und Tipps werden gerne und mit Freude ausgetauscht.
Von Niklaas verabschiedete ich mich gegen Mittag und wechselte zum anderen Skigebiet, wo ich meine Freunde vom Telemark-Toggenburg traf. Zusammen machten wir noch ein paar Off-Piste Runs. Um 16:00 Uhr hatten wir genug und ich fuhr zurück auf den Campingplatz.
Nach einer wohltuenden Dusche nahm ich den Linien-Bus rüber zum Tea del Vidal. Dort sassen meine Freunde vom Telemark-Oberharz; immer noch mit Skischuhen. Zusammen tranken wir ein Bier und versprachen uns, uns nächstes Jahr wieder zu sehen. Denn wie schon für Chris ist auch für sie heute der letzte Abend gekommen. Beim grandiosen Festa del Fuoco und anschliessend im Marco’s Pub hatten sie aber genügend Zeit, diesen Umstand gebührend zu feiern. Irgendwann gegen 4:00 Uhr war ich dann auch im WoMo und kroch ins Bett.

Donnerstag
So richtig ausgeschlafen und wieder meinen „alten“ Schlafplatz beim Plaza Placheda bezogen. Bei herrlichem Sonnenschein habe ich erstmal in aller Ruhe gefrühstückt und bin dann erst um 12:30 Uhr auf die Piste.
Oben auf dem Carosello traf ich meine Freunde vom Telemark-Toggenburg und Simon und Andy vom Telemarkshop.ch. Sie waren mit einem südkoreanischen Fotografen eines Mountain-Magazins beim Fotoshooting beschäftigt. Wir verbrachten den ganzen Nachmittag mit dem Fotografen und er schoss ein Bild nach dem anderen. Hoffentlich sehen wir die Bilder dann irgendwo mal. 🙂
Mit grossem Hunger gingen Christian und ich noch auf Weinsuche. Wir wollten einen speziellen Wein für das bevorstehende Abendessen. Freundlicherweise haben mich Christian, Toby, Annina, Sabine und Walter zum Essen eingeladen. Es gab Pizoggel, selbstgemacht von Christian.
So verbrachten wir einen lustigen Abend und um kurz nach Mitternacht war ich wieder beim Plaza Placheda und ging schlafen.

Freitag
Heute morgen gabs ein kaltes Erwachen. Mein Gasvorrat lief schon seit zwei Tagen auf der Reserveflasche und ich dachte, dass er bis Samstag reichen würde. Falsch gedacht, mein Gasvorrat war aufgebraucht. Doof, denn in Italien benutzen sie andere Gasflaschen und nehmen auch keine Schweizer-Flaschen zurück. Auf dem Campingplatz konnte ich aber glücklicherweise eine leihweise für die letzte Nacht kaufen.
Gasproblem gelöst. Jetzt konnte es endlich auf die Piste gehen. Zum Mittagessen habe ich mit Freunden auf dem Mottolino abgemacht. Zuerst wollte ich aber noch einmal alle Lifte auf dem Carosello fahren. Gesagt getan, ganz hoch zur Bergstation und von dort konnte ich ihm Zick-Zack runter ins Dorfzentrum fahren. Kurzer Fussmarsch rüber zur Motollino-Bahn und hoch in Restaurant. Hab mir dann erstmal einen Kaffee gegöhnt und bin dann noch ein wenig auf der Buckelpiste rum gehüpft. Bald darauf traf ich meine Freunde und gemeinsam gingen wir was essen.
Nach dem Essen war das Walzer-Rennen angesagt. Ein witziges Rennen, bei dem ein Paar den Hang elegant hinunter schwingt, im Ausfallschritt küsst, im Ausfallschritt trinkt, im Ausfallschritt unter der Limbostange durch tanzt und im Ausfallschritt den Ton angibt.
Zum Abschluss hatten mich Walter und Sabine noch auf einen Kaffee eingeladen. Mit ihnen ging ich am Abend in eine Pizzeria, die auch selber Bier braut. Schade war nur, dass sie nur noch eine Sorte Bier im Angebot hatten. Fand ich etwas schwach. Dafür war das Essen sehr gut und wie gewohnt günstig.
Endlich mal wieder früh im Bett.

Samstag
Der Tag wird kommen da musst du gehen. Für mich ist er heute gekommen. Nach dem Frühstück verstaute ich alle sieben Sachen im WoMo, brachte meinen Skipass und die Gasflasche zurück und tankte meinen Dieseltank im Zollfreien Livigno voll. Ziemlich genau um 9:30 Uhr fuhr ich los entlang dem Stausee und dachte, dass ich sicher gut durchkomme. Falsch gedacht. Ich brauchte für die ersten 16km geschlagene zwei Stunden. Zum Glück reise ich in einem Wohnmobil. Da kann man sich auch mal nach hinten setzen und ein Getränk aus dem Kühlschrank zu sich nehmen.

Nach dem Tunnel und dem Zoll verliefs eigentlich gut. Kurze Wartezeit hatte ich noch beim Vereina aber ab da gings flüssig vorwärts. So war ich am späten Nachmittag, 92 Liedern aus meinem Ipod später, wieder zu Hause.

Ein bisschen wehmütig schaue ich zurück auf diese acht unvergesslichen Tage in denen ich viele nette Menschen kennen lernen durfte, tolle Erlebnisse hatte und mich befriedigend erholt habe. Bye bye Freeheel-Fest bis zum nächsten Jahr.

Hier noch das zu Beginn Versprochene. Weil ich mir gerne ein gesamthaftes Bild von Allem mache, bastelte ich mir eine Foto-Landkarte. Die Karte erfordert einen Browser mit dem Flash-Plugin. Ich hoffe sie gefällt euch auch so wie mir. 🙂

Vielen Dank an Chris für die Fotos.

3 Gedanken zu „Bericht vom Freeheel-Fest in Livigno

  1. Salü Tom

    Da haste wahrscheinlich viele Stunden rein gesteckt. Ich bin eigentlich aus reiner Zufall auf deinem Blog gestossen und dachte beim Lesen Deiner Name im Google sofort an Dich. Ich freue mich auf den bevorstehenden Winter und komme wahrscheinlich auch wieder (für einzelne Tage) nach Livigno. Gruss Christiaan

  2. Ciao Christiaan.
    Freut mich, dass du den Weg zu meinem Blog gefunden hast. Gerade gestern habe ich die Daten (5.4.-12.4.08) für Livigno in meinem Kalender eingetragen.
    Vorher sehen wir uns aber sicher noch an der TT-GV.

    Greetz

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